Zika-Panikmache: Aus dem Contergan-Skandal nichts gelernt

Zika-Panikmache: Aus dem Contergan-Skandal nichts gelernt
von Angelika Müller und Hans U. P. Tolzin

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(1. Feb. 2016) Derzeit geht eine mediale Panikmache gegen das bis vor Kurzem noch völlig unbekannte Zika-Virus um. Es soll in Brasilien bei mehr als 4000 Neugeborenen für eine sogenannte Mikrozephalie verantwortlich sein, einer Missbildung des Kopfes, einhergehend mit oft schweren geistigen Behinderungen. Doch die Beweislage ist eher mager.

Dafür gibt es deutliche Hinweise dafür, dass in Wahrheit die in Brasilien erst kürzlich begonnenen Schwangeren-Impfungen mit Boostrix die Ursache des Ausbruchs sind. Aufgrund der akuten Gefahr, dass die Weltgesundheitsbehörde WHO bereits in den nächsten Tagen einen internationalen Gesundheitsnotstand ausruft, der von den wahren Ursachen ablenken und gleichzeitig ‒ wie vor kurzem bei Ebola ‒ Milliarden von Steuergeldern in sinnlose Medikamenten- und Impfstoffforschung pumpen könnte, haben wir hier in einer ersten Stellungnahme die wichtigsten Indizien zusammengefasst.

Das Zika-Virus soll wie das Gelbfiebervirus durch die sogenannte Gelbfiebermücke übertragen werden. Wäre dies wahr, müssten sich die Ausbruchsgebiete weitgehend überlappen. Das Gegenteil ist der Fall: Während sich die Mikrozephalie-Fälle hauptsächlich auf die brasilianische Region im Nordosten konzentrieren, tritt Gelbfieber schwerpunktmäßig in nahezu allen anderen Regionen auf.

Gegen Zika als Ursache spricht auch, dass bisher zum Zika-Virus und seinen Verwandten (Dengue, Gelbfieber, West-Nil), die seit 70 Jahren bekannt sind, keine Erkenntnisse zu solchen Schäden vorliegen.

Darüber hinaus gibt selbst das CDC, die US-Seuchenbehörde,die bei globaler Virus-Panikmache immer ganz vorne dabei ist, auf seiner Webseite zu, dass nur jede fünfte infizierte Person auch tatsächlich erkrankt. Außerdem seien die Symptome in der Regel mild, würden nur wenige Tage andauern und nur sehr selten zu Klinikaufenthalten führen.

Auf bestimmten Inseln Mikronesiens sind fast drei Viertel der Bevölkerung infiziert, ohne dass es zu Krankenhausaufenthalten gekommen ist. Daraus folgt, dass selbst dann, wenn das Virus eine verursachende Rolle spielen sollte, weitere Faktoren vorhanden sein müssen, damit es zu einer schweren Erkrankung oder gar Schädigung kommt. Darüber ist allerdings auf der CDC-Webseite nichts zu lesen.

Auch das Robert-Koch-Institut (RKI), die deutsche Seuchenbehörde, sieht in ihrem Epidemiologischen Bulletin Nr. 2/2016 die Möglichkeit, dass andere Ursachen, z. B. auch Medikamente, vorliegen.

Die brasilianische Mikrozephalie-Epidemie begann im Mai 2015. Im Oktober 2014, also sieben Monate vorher, gab das Gesundheitsministerium von Brasilien bekannt, dass man die Impfung Schwangerer gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten (Tdap) in den Impfkalender aufnehmen werde. Es handelt sich dabei um Boostrix, einen Impfstoff des britischen Herstellers GlaxoSmithKline (GSK), der von Brasilien in Lizenz hergestellt wird.

Wie sich die Impfung von Schwangeren mit Boostrix auf die Entwicklung des Ungeborenen auswirkt, weiß man nicht. In der deutschen Fachinformation von 2014 heißt es wörtlich: »Es sind jedoch keine Humandaten aus prospektiven klinischen Prüfungen zur Verabreichung von Boostrix bei schwangeren Frauen verfügbar. Boostrix sollte daher in der Schwangerschaft nur verabreicht werden, wenn dies eindeutig erforderlich ist und der mögliche Nutzen gegenüber den eventuellen Risiken für den Fetus überwiegt.«

Gleichlautende Hinweise finden sich in der deutschen Fachinfo von 2003, in der aktuellen US-Fassung (von 2005), in der kanadischen Version von 2013 und – Achtung! – auch noch in der australischen Fassung von August 2015! Wie kommt also das brasilianische Gesundheitsministerium dazu, seine Schwangeren einem unbekannten Risiko auszusetzen?

Bei unseren Recherchen fanden wir heraus, dass die US-Zulassungsbehörde FDA im Jahr 2012 einem Antrag des Herstellers stattgab, die Risiko-Einschätzung für die Vergabe an Schwangere von »Kategorie C« auf »Kategorie B« zu ändern. »C« bedeutet, dass Versuche mit trächtigen Tieren auf Risiken hindeuten, während »B« bedeutet, dass solche Versuche ergebnislos geblieben sind und somit das Risiko für das ungeborene Kind als geringer angesehen wird.

Welche neuen Studien und Erkenntnisse die bisherige Einstufung alt aussehen ließen, geht aus dem FDA-Schreiben nicht hervor. Auch eine Recherche in PubMed, der weltweit bedeutendsten medizinischen Online-Datenbank, brachte uns nicht weiter.

Als mögliche Erklärung bietet sich eine ungewollte TH1-Stimulierung an. Der TH1-Zweig des Immunsystems wird normalerweise während einer Schwangerschaft automatisch herunterreguliert, damit der Fetus, dessen DNA ja zur Hälfte vom Vaters stammt, nicht als Fremdkörper abgestoßen wird. Wird TH1 während der Schwangerschaft künstlich angeregt, kann dies fatale Folgen für das heranwachsende Kind haben.

Spätestens seit 2003 ist bekannt, dass durch das unter anderem auch in Boostrix enthaltene Pertussis-Toxin in der Lage ist, TH1 zu stimulieren. Darüber hinaus kann auch Aluminiumhydroxid, das als Verstärkerstoff für die TH2-Schiene enthalten ist und zur Antikörperproduktion führen soll, bei Anwesenheit von TH1-Stimulatoren deren Wirkung noch verstärken.

Hauptverdächtiger für die Missbildungen bei tausenden Neugeborenen in Brasilien dürfte in erster Linie also Boostrix sein. Doch wer darauf wartet, dass die Gesundheitsbehörden entsprechend recherchieren und reagieren, der wartet wahrscheinlich vergebens. Im Gegenteil versuchen alle Beteiligten durch Fixierung auf das Zika-Virus von der Möglichkeit abzulenken, dass Medikamente die Ursache sein könnten. Wir haben hier also einen ähnlichen Effekt, den wir erst vor Kurzem auch bei Ebola beobachten konnten.

Das CDC, das es wirklich besser wissen müsste, heizt die Zika-Diskussion künstlich an, indem es verlauten lässt, man habe das Virus im Gewebe einiger Opfer gefunden. Und was das CDC veröffentlicht, ist in der Welt der Virologen fast so etwas wie Gesetz. Auch das deutsche Bernhard-Nocht-Institut, das schon bei der Ebola-Panikmache eine unrühmliche Rolle spielte, gibt bekannt: Man weiß zwar nix genaues, aber der Zusammenhang sei »stark anzunehmen«.

Übrigens wurde erst kürzlich eine Studie mit 250 schwangeren und 150 nicht schwangeren Frauen, die den Tdap-Impfstoff erhielten, durchgeführt. Finanziert wurde diese vom CDC und der Bill & Melinda Gates Stiftung. Bei unseren Recherchen in PubMed haben wir bisher keinen Hinweis gefunden, dass bei den bisherigen Studien mit geimpften Schwangeren auch der Gesundheitszustand der Neugeborenen berücksichtigt wurde. Eine fatale Unterlassung, wie sich jetzt zeigt.

Der Hersteller ist natürlich ganz scharf darauf, den Markt für seinen Impfstoff mit einem Schlag zu erweitern. Auch in Deutschland ist die Schwangeren-Impfung im Kommen. Erst kürzlich schrieben deswegen der Gynäkologe Dr. Helmut Jäger und der Kinderarzt Dr. Christoph Dembowski einen aufrüttelnden offenen Brief an die STIKO.

Wieder einmal zeigt sich die fatale Abhängigkeit der Behörden und der medizinischer Fachwelt von den Interessen einer mächtigen Industrie. Reformen sind notwendig, die diese Abhängigkeit beenden, sonst werden manche Science-Fiction-Fantasien, in denen die Welt und die Menschheit den Konzernen gehören, vielleicht doch noch Wirklichkeit.

Wir bleiben am Ball und werden weiter recherchieren. Aktualisierungen werden in der kommenden Ausgabe der Zeitschrift impf-report erscheinen und ggf. auch beim 11. Stuttgarter Impfsymposium am 9./10. April 2016 bekanntgegeben. Sachdienliche Hinweise nehmen wir gerne unter redaktion@impf-report.de entgegen. Auf Wunsch garantieren wir selbstverständlich Anonymität.

 

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