EHEC: Kollektiver Tunnelblick als Infektionsquelle

  Symbolbild Tunnelblick
  

(ir) Heute morgen war ich mal wieder im Fitness-Studio, danach im Dampfbad und auf der Liegewiese: Man(n) muss ja auch selbst mal etwas für seine Gesundheit tun, wenn man schon ständig darüber schreibt. Bewegung und Schwitzen und Sonnenlicht gehören schließlich - neben einer vitalstoffreichen Ernährung - zu den wichtigsten Elementen nachhaltiger Gesundheit. Bei der Gelegenheit überfliege ich gerne die Schlagzeilen am Kiosk des Bads. Dabei fiel mir heute auf, dass EHEC die Titelseiten der großen Wochenmagazine STERN, SPIEGEL und FOCUS nicht mehr infiziert hat - das wohl deutlichste Anzeichen, dass die virtuelle EHEC-Epidemie am Abklingen ist.

Eigentlich bin ich's ja müde, die vorhersehbare Berichterstattung über EHEC zu lesen. Da geht es mir nicht besser als so vielen, denen ich z. B. im Dampfbad oder auf dem Wochenmarkt begebne und zuhöre. Doch da ich davon lebe, muss ich mich doch immer wieder überwinden und so kaufte ich mir also diesmal die WELT AM SONNTAG. Dort gibt es auf den Seiten 16 und 17 einen Bericht über die "Helden" der EHEC-Epidemie: Die Ärzte in den betroffenen Kliniken. Dort wird eine Assistenzärztin aus Hannover folgendermaßen zitiert:

"Wir waren sehr besorgt, als die üblichen HUS-Behandlungen nicht anschlugen. Als dann auch noch neurologische Ausfallerscheinungen dazukamen, manche Patienten apathisch wurden, manche Wahnvorstellungen bekamen, da haben wir schon Angst bekommen."

Mit geübtem Auge und offenem Geist kann man aus diesem kurzen Zitat mehrere wichtige Dinge erfahren: 

  1. Die Patienten mit Blut im Stuhl und Nierenschwäche wurden mit den "üblichen" Methoden behandelt. Wie wir wissen, handelt es sich nicht etwa um sanfte naturheilkundliche Methoden zur Unterstützung des Körpers bei der Überwindung der Krise, sondern um regelrechte Pharma-Keulen, die  zum Teil tief in die biochemischen Abläufe des Organismus eingreifen - und die laut den Produktinformationen zahlreiche mögliche Nebenwirkungen aufweisen.
  2. Die Ärzte wundern sich dann, weil es den Patienten trotzdem nicht besser, sondern sogar schlechter geht und zusätzlich des zentrale Nervensystem stark in Mitleidenschaft gezogen wird.
  3. Eigentlich müssten sie nur in die Fachinformationen der Medikamente schauen, die sie selbst verabreicht haben. Dort sind in der Regel sämtliche Komplikationen, die EHEC zugeschrieben werden, als bekannte Nebenwirkungen aufgeführt.
  4. Die gleichen Ärzte bekommen es mit der Angst zu tun, denn die "üblichen" Medikamente sind alles, was sie haben


Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Ich möchte den betroffenen Ärzten keineswegs Einsatz- und Opferbereitschaft und Ernsthaftigkeit im Dienst am Patienten absprechen. Ich finde jedoch die Naivität, Unwissenheit, Unsicherheit und Angst unserer Ärzte erschreckend. Wozu machen sie so viele Jahre eine derart intensive Ausbildung, wenn im Grunde jeder angelernte Hilfsarbeiter die EHEC-Diagnose stellen und die "üblichen" Medikamente verschreiben könnte - mit keinem schlechteren Ergebnis als unsere vermeintlich so gut ausgebildeten Mediziner?

Doch es ist nicht nur der Tunnelblick der Ärzte allein, der erschreckt. Dass den medizinjournalistischen Profis der WELT AM SONNTAG genauso wenig in den Sinn kommt, die Nebenwirkungen der Medikamente ins Kalkül einzubeziehen, und den Gesundheitsbehörden genauso wenig, ist mindestens genauso beunruhigend. Offenbar hat unsere gesamte Gesellschaft kollektiv beschlossen, den Heilsversprechen einer industrieabhängigen Medizin blind zu vertrauen und die wahren Ursachen der angeblichen EHEC-Erkrankungen zu ignorieren.

Ja, man könnte sogar sagen, dieser kollektive Tunnelblick selbst sei die wahre EHEC-Infektionsquelle - und nicht etwa Sprossen, Gurken oder Tomaten.

 



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