Ebola: Der Maridi-Ausbruch von 1976, Teil 1 von 4

Abbildung

Ebola: Der Maridi-Ausbruch von 1976, Teil 1 von 4

Die weltweit erste Erkrankung, die (nachträglich) die Ebola-Diagnose erhielt, trat am 27. Juni 1976 in einer Baumwollfabrik in Nzara (Südsudan)  auf. Dem Ausbruch in Nzara werden insgesamt 67 Fälle, darunter 31 Todesfälle (46 %) zugerechnet. Anfang August 1976 erkrankten die ersten Menschen im etwa 130 km entfernt liegenden Maridi. Insgesamt wurden dort 213 Fälle gezählt, darunter 115 Todesfälle (54%). Fast die Hälfte hatte sich ihre Erkrankung in der dortigen Klinik zugezogen, einem Lehrkrankenhaus mit insgesamt 230 Mitarbeitern, darunter 154 Pflegekräften.

(ht) Als Ursprung werden zwei aus Nzara (siehe: Nzara-Ausbruch) stammende Personen angesehen: Am 7. August 1976 traf der in Nzara erkrankte Samir S. zusammen mit seinem Bruder Sallah S. und einem Neffen in der Klinik von Maridi ein. Samir S. verstarb am 17. August. Danach erkrankten auch drei Mitarbeiter der Maridi-Klinik, die unter anderem mit Samir S. Kontakt gehabt hatten - weshalb man bis heute von einer Ansteckung durch Samir ausgeht.

Dessen Bruder Sallah kehrte am 18. August nach Nzara zurück, wo er dann selbst erkrankte. Ein Krankenpfleger namens A. I. besuchte ihn zuhause und verabreichte ihm dort das Antimalariamittel Chloroquin und Antibiotika. Sallah verstarb einige Tage später.

A. I. erkrankte am 24. August ebenfalls und begab sich in die Klinik von Maridi, wo er am 29. August eintraf. Er verstarb am 3. September. Es traten weitere Fälle in der Klinik und in der Stadt auf.

Die Hauptsymptome waren bei allen Patienten Fieber und Kopfschmerzen. 83 % hatten Schmerzen im Brustkorb, 81 % hatten Durchfall, 59 % Erbrechen, 63 % einen trockenen und schmerzenden Hals, 52 % hatten einen Ausschlag oder Hautschuppungen, 49 % hatten Husten, 71 % hatten Blutungen, z. B. im Stuhl, Erbrochenen, aus Nase, Zahnfleisch, Vagina oder einer Injektionsstelle. Unter den Todesfällen traten bei 91 % eine oder mehrere dieser Blutungen auf.

93 der insgesamt 213 Fälle holten sich die Erkrankung in der Klinik. Davon waren 72 Klinikpersonal. Mindestens sechs weitere waren vorher schon Patienten gewesen. Weitere 15 Personen waren Besucher von erkrankten Patienten und hatten bei deren Pflege geholfen.

In der Stadt wurden 36 Familien mit 38 sogenannten Primärfällen erfasst, also Fälle, die nicht in Zusammenhang mit anderen Erkrankungen gebracht werden konnten. Zu diesen 38 Fällen wurden insgesamt 233 Kontaktpersonen gefunden, von denen 30 (13 %) selbst erkrankt waren.

Nach und nach trafen sudanesische und internationale Ärzte ein, darunter auch ein Team der Weltgesundheitsbehörde WHO. Der Verdacht richtete sich auf in Afrika bekannte Viruserkrankungen wie Lassafieber, Gelbfieber, Pocken, Typhus oder Krim-Kongo-Fieber.
Dr. D. P. Francis vom CDC berichtet, dass die Erkrankten teilweise aussahen wie Cholera-Patienten, mit tiefliegenden Augen und einer Haut mit den typischen Zeichen einer Dehydration. Diese Diagnose scheint man damals aber nicht weiter in Erwägung gezogen zu haben.

Der Höhepunkt der ersten Erkrankungswelle wurde Mitte September erreicht. Anfang Oktober ging die Anzahl der Neuerkrankungen zurück. Die Autoren spekulieren, dass dies auf die Verwendung von Schutzkleidung, die zwischenzeitlich ausgegangen war, zurückzuführen ist.

Das restliche Pflegepersonal, das entweder nicht selbst erkrankt oder aus Angst vor Ansteckung und Tod weggelaufen war, versuchte in seiner Not die Krankheit unter anderem durch Einsprühen von Patienten und Kontaktpersonen mit DDT und durch Gelbfieber-Impfungen zu bekämpfen. Darüber hinaus kam, je nach Verfügbarkeit, Antibiotika und Gamma-Globuline zum Einsatz. Um welche Produkte es sich genau handelte, wird leider nicht erwähnt.

Das weggelaufene Personal zu überreden, wieder den Klinikdienst anzutreten und die Erkrankten zu versorgen, erwies sich als nicht einfach. Man konzentrierte sich auf Genesene, von denen man ausging, dass sie gegen das - unbekannte - Virus immun waren und beteuerte, dass die zwischenzeitlich wieder verfügbare Schutzkleidung das Ansteckungsrisiko senken würde.

Es begann eine systematische Suche nach Verdachtsfällen. Dazu  setzte man unter anderem Schüler ein, die in der Stadt und Umgebung systematisch alle Häuser nach Erkrankten durchkämmten. Viele Familien hielten nämlich ihre Erkrankten versteckt – die Klinik war für sie der Ausgangspunkt und das Zentrum der Seuche und der Ort, wo Menschen starben. Die Klinik-Beauftragten in ihrer Schutzkleidung machte ihnen wohl auch zusätzlich Angst. Am 17. November deckte die Suche nach Erkrankten und Kontaktpersonen die ganze Stadt und 30 Meilen im Umkreis ab.

Die Stadt und damit auch die Klinik hatte eine sehr schlechte Wasserversorgung, Treibstoff für die zuständige Wasserpumpe war knapp, ebenso wie für die zur Klinik gehörenden Fahrzeuge. Elektrizität gab es nicht. Die Autoren stellen die Frage, inwieweit eine Desinfektion von Nadeln und anderen medizinischen Utensilien überhaupt möglich war. Darüber hinaus war ein Großteil der Pflegekräfte noch ungeübt bei der Einhaltung der Hygiene.

Die Autoren diskutieren in diesem Zusammenhang über die Möglichkeit, dass das Virus durch nicht ausreichend desinfizierte Injektionsspritzen übertragen wurde und dies bei der Verstärkung der Epidemie innerhalb der Klinik eine wesentliche Rolle gespielt haben könnte.

Unter anderem hatte am 25. September in Maridi eine Impfaktion gegen Typhus begonnen. Unklar ist, wie viele der mehr als 13.000 Dosen des Typhus-Impfstoffs tatsächlich verimpft wurden. Laut dem Arzt P. Brés hatte man nur 114 Dosen verabreicht. Francis erwähnt, dass man die Impfung und die Gamma-Globuline in erster Linie den Klinik-Mitarbeitern gegeben habe, da sie unter dem höchsten Ansteckungsrisiko standen und man nur in der Klinik Spritzen und Injektionsnadeln zur Verfügung hatte.

Francis: „Es hatten sich Patienten mit unterschiedlichen Diagnosen in der Klinik infiziert, die ein paar Tage nach der Behandlung schwer erkrankten und schließlich starben. Ich vermute, dass in wenigstens sechs Fällen Nadeln der Übertragungsweg war.“

Andere Ärzte auf dem Belgischen Ebola-Symposiums von 1977 lehnen in der Diskussion die Möglichkeit einer Übertragung durch Injektionen ab. Argumente, die diesen Standpunkt untermauern, werden jedoch nicht vorgebracht.

Das WHO-Team berichtet, dass zum Zeitpunkt ihrer Ankunft (am 29. Oktober) die Klinik in einem völlig desolaten Zustand war. Zu diesem Zeitpunkt waren sowohl der behandelnde Arzt als auch 61 der 154 Pflegekräfte erkrankt, darunter 33 Todesfälle. Auch unter den Reinigungs- und Hilfskräften gab es dieser Quelle zufolge acht Todesfälle.

Von 51 Genesenen wurde Blut entnommen, um daraus Immunplasma zu gewinnen. Es wurde allerdings nicht zur Behandlung Erkrankter verwendet, weil man befürchtete, das  Virus könne noch aktiv sein. Darüber hinaus wurden bei Antikörperbestimmungen bei Gesundgebliebenen wie auch bei Erkrankten und Genesenen vorgenommen. Das WHO-Team nahm Obduktionen vor und verschickte Gewebeproben an Hochsicherheitslabore in den USA (CDC) und in Großbritannien.

Die Neuerkrankungen nahmen Ende Oktober und Anfang November wieder zu – zu dieser Zeit war der Nachschub an Schutzkleidung versiegt. In dieser Welle war vergleichsweise weniger Klinikpersonal betroffen, dafür mehr Personen, die in der Klinik Kontakt zu Patienten gehabt hatten. Die letzte bekannte Neuerkrankung trat am 25. November 1976 auf. Dies sei ein großer Erfolg der aktiven Überwachung des Ausbruchs und der Isolationsmaßnahmen gewesen, so die Autoren.

Quelle: Ebola-Symposium 1977 in Belgien

Demnächst:
Teil 2: Worauf beruht die Ebola-Diagnose?
Teil 3: Kann die Virus-Hypothese stimmen?
Teil 4: Fazit: Was sich ändern muss

Ebola-Vortrag auf dem 10. Stuttgarter Impfsymposium 27. Sept. 2014
Abbildung

Jetzt vorbestellen
(Sonderaktion):
Abb.

Aktueller impf-report
Abbildung der Titelseite

Unsere Empfehlung:
Neue Dokumentarfilme


Abb.


Abb.


Abb.

 

impf-report Probeheft

Weißt Du schon das Neueste? Es gibt eine unabhängige Zeitschrift, den "impf-report", und da kannst Du eine Gratis-Leseprobe anfordern. Cool, gell?

Materialien bestellen

Bücher, Schriften, DVDs, CDs,impf-report

Risiken & Nebenwirkungen dieser Webseite

Impfen von A-Z

EINFÜHRUNG INS THEMA 6fach-Impfstoffe Abtreibung Adjuvans Adressen ADS AEGIS AIDS Aktionen Aktiv werden Aluminium Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ansteckende Geimpfte Ansteckung Anti-D-Prophylaxe Antikörpertiter ASIA Autismus Behördenschriftwechsel Beipackzettel Bevölkerungskontrolle Blauzungenkrankheit Bücher Bundeswehr Diagnoseverschiebung Diskussionsforen Diskussionsgrundlage Durchimpfungsrate DVDs Ebola EHEC Einzelimpfstoffe Entgiftung Ethikfrage Europa Fachinfo FAQ Fieber Flugblätter Foren Formulare Furchtappellforschung FSME Gebärmutterhalskrebs Geburtenkontrolle Geflügelpest Gesetze Golfkriegssyndrom Grippe Häufig gestellte Fragen Hepatitis HIV HPV Hyperimmunisierung Impfkalender Impfkomplikationen Impf-Mobbing Impfmüdigkeit Impfnachrichten Impfpass vorlegen impf-report Impfrisiken Impfschaden Impfstoffsicherheit Immunreaktion Infektionshypothese Infektionsschutzgesetz Informationsfreiheitsgesetz Influenza Infoblätter International Jugendamt Keuchhusten KiGGS-Studie Kinderlähmung Kindergarten Koerperverletzung Komplikationen Kontraindikation Krebsimpfung Labortests Links Literatur Makrophagische Myofasciitis Masern Materialien für Ihre Praxis Meldepflicht Mumps NEFUNI Newsletter Organisationen Organspende Patientenverbände (Problem) Pertussis (Keuchhusten) Petitionen Pferde Placebo Plötzlicher Kindstod Pocken Poliomyelitis Quecksilber Rechtsprechung Rechtsfonds Referentenliste Reiseimpfungen Rhesus-Antigen-D Risiken Röteln Rotavirus Rückgang der Seuchen Salzburger Elternstudie SARS Schütteltrauma Schule Schuluntersuchung Schweinegrippe Schweiz Seuchenrückgang Sicherheit Sicherheitsstudien SIDS Spanische Grippe Sorgerechtsstreit SSPE Stammtische STIKO STIKO-Protokolle Tetanus Therapeutenliste Thiomersal Tierimpfungen Todesfälle TOKEN-Studie Tollwut Tuberkulose Ungeimpfte USA Aufenthalt Varizellen Veranstaltungskalender Verstärkerstoff Videos zum Thema Virusbeweis Vitamin A Vitamin C Vitamin D Vitamin K-Prophylaxe Vogelgrippe Vorträge Webseiten, impfkritische Windpocken Wundstarrkrampf Wirksamkeitsnachweis Zeitdokumente Zervix-Karzinom Zikavirus Zulassungsverfahren Zusatzstoffe Zwangsimpfung

Spenden

Volltextsuche

Email-Newsletter

Impressum