Europäische Zulassungsbehörde in der Kritik

(ir) Nach der deutschen Zulassungsbehörde, dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) im hessischen Langen, gerät nun auch die europäische Zulassungsbehörde EMEA, die unter anderem die umstrittenen Sechsfach- und Krebsimpfstoffe europaweit zugelassen hat, in die Kritik:

"(...) Zunehmend werfen nun Experten wie Professor Ludwig der EMEA ungenügenden Patientenschutz aber auch mangelnde Transparenz vor: So kläre die Prüfbehörde viel zu wenig über Gefahren auf: "Die EMEA führt eine Datenbank, wo Meldungen aus allen europäischen Mitgliedstaaten zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen eingehen. Die Transparenz hinsichtlich dieser Datenbank ist absolut unzureichend. Das heißt, die Öffentlichkeit hat keine Möglichkeiten sich über die dort registrierten unerwünschten Arzneimittelwirkungen zu informieren."

"Wer finanziert, der bestimmt"

Für den Pharmakritiker Prof. Peter Schönhöfer liegt das Problem in der Finanzierung der Behörde. Denn EMEA ist auf das Wohl und Wehe der Pharmaindustrie angewiesen: Diese zahlt zwei Drittel des Jahresbudgets der Zulassungsbehörde von 155 Millionen Euro. "Wer finanziert, der bestimmt auch, was entschieden wird. Das ist die Grundlage für die schlechten Qualität der Entscheidungen der EMEA", so Schönhöfer.

EMEA dagegen beteuert ihre Unabhängigkeit. Schriftlich teilt sie Frontal21 mit: "Ausschussmitglieder und Sachverständige dürfen keinerlei finanzielle oder sonstige Interessen in der pharmazeutischen Industrie haben, die ihre Unparteilichkeit beeinflussen könnten." Frontal21 liegen interne EMEA-Dokumente vor, die zeigen, dass Mitglieder der wissenschaftlichen Ausschüsse, die über die Zulassung von Medikamenten entscheiden, Geld von namhaften Pharmafirmen bekommen. Die EMEA weicht auf Anfrage von Frontal21 aus: "Diese praktische Erfahrung ist für die Kompetenz der Sachverständigen einerseits von Vorteil, kann aber auch Grund von Befangenheit sein." Solche Zuwendungen sind für die EMEA also kein Grund, Sachverständige auszuschließen.

"Die Folge ist", warnt Professor Schönhöfer, "dass die Entscheidungen der EMEA nicht Hersteller unabhängig sind, dass die EMEA sich eben wie ein Handlanger für die Pharmaindustrie verhält." - ZDF, 5. Febr. 2008

 

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