Medikamentensicherheit wird von Regierung an Pharmaindustrie verkauft

"Bereits 2005 plante die Bundesregierung, das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in eine weitgehend eigenverantwortlich und nach ökonomischen Grundsätzen geführte Deutsche Arzneimittel und Medizinprodukte Agentur (DAMA) umzuwandeln. Die schnelle Zulassung neuer Arzneimittel im Dienst der Industrie sollte zur Kernaufgabe der Dienstleistungsagentur werden. Die Umsetzung scheiterte am Widerstand einiger Sozialpolitiker in der SPD-Fraktion und fiel zunächst der vorzeitigen Auflösung des Bundestags zum Opfer. Jetzt werden die Pläne reaktiviert.

Einer der wesentlichen Kritikpunkte an der Umstrukturierung des BfArM in eine Agentur für Zulassungen ist, dass die DAMA fast vollständig von der Pharmaindustrie finanziert werden soll, aber dennoch gleichzeitig für die Überwachung der Sicherheit der Arzneimittel und den Schutz der Patienten (Pharmakovigilanz) zuständig ist. Die DAMA soll von einem zweiköpfigen Vorstand geleitet werden, dem neben einem Festbetrag „leistungsbezogene Bestandteile" für die Erfüllung von Zielvereinbarungen bezahlt werden (§ 7 Abs. 4 DAMA-Errichtungsgesetz),(1) also Prämien für schnelle Zulassung und andere pharmahörige Verrichtungen. Es ist nachvollziehbar, dass unter solchen Voraussetzungen Vermarktungsinteressen der Pharmaindustrie die Zulassungstätigkeit bestimmen werden und Maßnahmen zur Risikominderung verkümmern. Zum Schutz der Verbraucher müssen Zulassung und Pharmakovigilanz durch voneinander unabhängige Behörden sichergestellt und nicht durch eine Agentur als Zuarbeiter für Firmen erledigt werden. (...)"

Quelle:
arznei-telegramm 2/2007, S. 17-18

Kommentar:

Im weiteren Verlauf des Artikel vergleicht das a-t die Pläne der Regierung mit der EMEA, die auf europäischer Ebene bereits Medikamente nach primär wirtschaftlichen Gesichtspunkten zulässt. Auch die US-Zulassungsbehörde FDA hat diese Wandlung durchmachen müssen. Der FDA-Mitarbeiter Graham beklagt Einflussnahme und Korruption bei der Beurteilung der Arzneimittel und löste damit eine öffentliche Kontroverse aus.

Es scheint eine weltweite Tendenz zu sein, den Pharmakonzernen zunehmend Einfluss auf die öffentliche Kontrolle der Medikamentensicherheit zu gewähren. Wer weiss, welche Deals möglicherweise hinter verschlossenen Türen zwischen der Regierung und der Pharmalobby abgeschlossen wurden. So in dem Stil von "Wir lassen Euch Eure Gesundheitsreform, dafür kriegen wir aber die Arzneimittelsicherheit."

Das einzig Erfreuliche sind die erfrischend offenen Worte des a-t, hoffen wir, dass andere Stimmen bald folgen!


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