HPV-Impfung: "Zähes Ringen um die Patentrechte"

(...) Der Weg zum Impfstoff war steinig. Anfang der 1990er Jahre arbeiteten parallel zu den Wissenschaftlern am DKFZ mehrere weitere Forschergruppen weltweit auf dem Gebiet der HPV-Vakzinierung. Die deutsche Pharmaindustrie zeigte sich an diesen grundlegenden Arbeiten allerdings nicht interessiert. Deshalb lizenzierte das DKFZ seine Rechte an die US-amerikanische Biotech-Firma Medimmune, die das Potenzial einer HPV-Vakzine erkannt hatte und sich gleichzeitig Lizenzrechte aus anderen Forschungseinrichtungen sicherte, unter anderem von den National Institutes of Health (NIH) in Bethesda, USA, und der Loyola-Universität in Chicago, USA. Darüber hinaus erwarb das US-amerikanische Pharmaunternehmen Merck & Co. noch verbliebene Lizenzrechte, zum Beispiel von den NIH und der Queensland Universität, Australien. Merck & Co. und Medimmune sowie später GlaxoSmithKline Inc., das die Lizenzrechte von Medimmune erwarb, trieben dann die klinische Entwicklung parallel voran und begannen im Jahr 2005 mit Phase III-Studien.

Mit der Frage, welche der mitwirkenden Einrichtungen – das NIH, die beteiligten Universitäten in den USA und Australien sowie das DKFZ – die entscheidende Erfindung als erste gemacht hatte, befasste sich schließlich auch das amerikanische Patentamt. Anfang 2005 erteilten sich Merck & Co. und GlaxoSmithKline Inc. gegenseitig so genannte Kreuzlizenzen, die eine wechselseitige Nutzung der Patentrechte erlauben. Gleichzeitig einigten sich auch die akademischen Einrichtungen hinsichtlich der Patente. Mitarbeiter der Stabsstelle Technologietransfer des DKFZ trugen mit ihrer Fachkompetenz wesentlich dazu bei, die komplexe und komplizierte Patentsituation zu klären. Dabei bewiesen sie auch großes Durchhaltevermögen und Nervenstärke, wenn es darum ging, sich gegenüber den Interessen Dritter zu behaupten. Nach zähem Verhandeln setzte die Stabsstelle Technologietransfer durch, dass das DKFZ als Miteigentümer an dem Patent anerkannt wurde und damit an den Rückflüssen aus den Umsätzen von Merck & Co. und GlaxoSmithKline Inc. beteiligt wird. Somit werden Forscher, Forschungseinrichtungen, die Industrie und vor allem die Patienten an dem Erfolg des Impfstoffs teilhaben. - Stabsstelle Technologietransfer, DKFZ - 14.09.06

 

 

 

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