Vogelgrippe: "Die Haltebedingungen sind das eigentliche Problem"

Die jetzt wieder in Geflügel-Massentierhaltungen, u.a. bei Englands größtem Putenzüchter Matthews (160.000 Tiere) sowie einem Gänsezüchter in Ungarn (mehrere tausend Tiere) aufgetretenen Vogelgrippe-Ausbrüche zeigen nach Ansicht des Zentralverbandes Europäischer Laufentenhalter ZEL, dass die von Interessenvertretern aus Politik und Geflügelwirtschaft dargestellte Behauptung, Wildvögel seien der Auslöser für die Seuche, nicht zutreffen kann.

Ausnahmslos erkrankt Geflügel, welches zu tausenden auf engstem Raum gehalten wird. Die jüngsten Ausbruchsorte sind isoliert und können - wie Vogelgrippe-Experte Colin Butter vom britischen Institut für Tiergesundheit bestätigt - nicht im geringsten mit Zugvogelaktivitäten in Verbindung gebracht werden. Des weiteren sind die Wildvögel in der Umgebung dieser Ausbruchsherde gesund und fliegen munter durch die Gegend. Deshalb muß die Zugvogeltheorie als unhaltbar angesehen werden.

Der ZEL sieht vielmehr die Haltungsbedingungen tausender von Tieren in Zuchtanstalten als das eigentliche Problem. Die so gehaltenen Tiere sind nach Ansicht des ZEL aufgrund ihrer widernatürlichen Lebensumstände und einem in der Regel hohen Medikamenteneinsatz in ihrem Immunsystem so geschwächt, dass sie an Viren erkranken, die jedem gesunden Wildvogel nichts anhaben könnten. Eine Bekämpfung der Vogelgrippe kann deshalb nach Meinung des ZEL nur gelingen, wenn in der konventionellen Geflügelzucht wieder zu natürlichen und artgerechten Haltungsweisen übergegangen wird, so wie sie im Biobereich üblich sind und seit Jahrzehnten erfolgreich praktiziert werden.

Rätselraten herrscht derzeit noch bei den britischen Behörden, wie der Krankheitserreger in einen abgeschotteten Stall des Zuchtbetriebs Matthews gelangen konnte. Da der Erreger mit dem kurz zuvor in Ungarn aufgetretenen identisch ist, wird nach einer Verbindung dorthin gesucht. Matthews hat in Ungarn mehrere Betriebe. Der ZEL sieht in den britischen Untersuchungen die große Chance, den tatsächlichen Übertragungswegen der Vogelgrippe und dem Beitrag der großtechnischen Geflügelwirtschaft zu ihrer Verbreitung auf die Spur zu kommen.

Die Tatsache, dass auch die beiden Fälle des Jahres 2006 im französischen Versailleux und im sächsischen Wermsdorf in Stallhaltungen ausbrachen, während Freilandbetriebe verschont blieben, lässt den ZEL an der Sinnhaftigkeit der Stallpflicht als wirksame Maßnahme gegen die Verbreitung der Vogelgrippe zweifeln. Eine verschärfte Stallpflicht fordert derzeit der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft. Dieser vertritt allerdings nur wenige tausend Betriebe, deren Geflügel überwiegend nie dafür vorgesehen war, die Sonne zu sehen.

Pressemitteilung von: Zentralverband europäischer Laufentenhalter ZEL

Veröffentlicht auf openPR am 06.02.2007 um 09:59


 
Vogelgrippe: der Beweis fehlt

(openPR) - Die aktuellen Fälle in Europa hätten bewiesen, dass der Erreger H5N1 noch in den Wildvogelpopulationen vorhanden sei, betonte der Chef des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit (Friedrich-Loeffler-Institut, FLI), Thomas Mettenleiter, heute in einem dpa-Gespräch.

Der Zentralverband Europäischer Laufentenhalter ZEL sieht dies allerdings anders: die beiden aktuellen Fälle in Ungarn und England beweisen lediglich, dass der Erreger in Massentierhaltungen vorhanden ist. Wildvögel müssen ohne das Vorliegen realer und belastbarer Beweise als unschuldig gelten. Auch Mettenleiter musste im Interview einräumen, dass in den vergangenen Wochen wegen der kälteren Witterung zwar mehr tote Tiere gefunden worden waren, der Vogelgrippe-Erreger aber nicht nachgewiesen wurde. Auch das derzeit am Bodensee mit Millionenaufwand laufende Projekt "Constanze" zum Nachweis des Vogelgrippe-Erregers bei wildem Wassergeflügel, an dem das FLI beteiligt ist, konnte keinen Erreger-Nachweis in der Wildvogelpopulation erbringen.

Pressemitteilung von: Zentralverband europäischer Laufentenhalter ZEL
Veröffentlicht am 06.02.2007

 

 

 

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